Optimistischer werden: Warum Du es tun solltest und wie Du es umsetzt (+7 Praxistipps)

Malst Du immer gleich den Teufel an die Wand, wenn mal etwas nicht klappt?

Raucht Dir in Krisensituationen vor lauter Horrorszenarien der Kopf?

Herrscht bei Niederlagen immer gleich Endzeitstimmung?

Ja?

Dann ist optimistischer werden bestimmt etwas, das Du Dir wünschst.

„Aber ich bin halt einfach ein pessimistischer Mensch!“ wirst Du jetzt vielleicht denken.

Doch glaub mir: Genau wie einen Muskel, kannst Du eine optimistischere Sichtweise trainieren.

Und in diesem Artikel zeige ich Dir wie.

Warum es sich lohnt, optimistischer zu sein

Zunächst aber erstmal die Frage, was Dir ein antrainierter Optimismus überhaupt bringt.

Ein Optimist leidet weniger unter Ängsten vor möglichen zukünftigen Katastrophen.

Der Pessimist dagegen wird regelmäßig von ihnen überrollt und runtergezogen. Angst wiegt nämlich ganz schön schwer im Magen.

Als Pessimist braucht es nicht mehr als eine klitzekleine Niederlage: Und schon ist er in einer Art Schockstarre, die ihn am Handeln hindert und alles nur noch schlimmer macht.

Du bist dann wie ein Reh im Scheinwerferlicht eines Autos, das mitten auf der Straße vor Angst erstarrt, anstatt einfach weiterzulaufen und an sein sicheres Ziel zu kommen.

Glaube mir, ich war eine Zeit lang auch wie dieses Reh. Ich konnte mich sogar durch Ängste und Zweifel stoppen, ohne überhaupt den ersten Schritt Richtung Straße getan zu haben. Für eingefleischte Pessimisten muss also noch nicht einmal irgendetwas Negatives passiert sein und sie sehen schon die Apokalypse am Horizont.

Sie vermuten dann zum Beispiel von vorne herein: Mein Projekt hat bestimmt keinen Erfolg. Und dann werden mich alle auslachen…

Oder: Oh nein, wenn mein Business keinen Umsatz macht, versiegen meine Ersparnisse. Was mache ich denn dann?

Optimisten dagegen geben die Hoffnung nicht so schnell auf und blicken eher vertrauensvoll in die Zukunft.

Ja, selbst in einer Problemsituation bewahren sie sich ihre gute Laune. Diese Zuversicht und positive Einstellung versorgt den Optimisten eher mit leichten, angenehmen Gefühlen. Denn schließlich meint er nicht jedes Mal, dem Untergang geweiht zu sein, wenn etwas nicht so verläuft, wie erwartet.

Ein trainierter Optimist legt eine „can-do-attitude“ an den Tag. Er packt Herausforderungen und Projekte an, immer nach dem Motto: „Können wir das schaffen? Ja, wir schaffen das!“

Dieses Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten hilft ihm natürlich vielmehr bei der Lösungsfindung in kritischen Situationen.

Obendrauf wirkt sein selbstbewusstes, positives Auftreten wiederum anziehend auf andere. Der Optimist hat wenig Probleme, die passende Unterstützung zu finden, wenn er einmal in eine Sackgasse gerät.

Denn Hand aufs Herz: Wer will schon mit jemandem zusammenarbeiten, der immer mit düsterer Miene in die Zukunft schaut?

Kurz gesagt: Optimisten ROCKEN! Nur logisch, dass Du nun gleich beschließt, optimistischer zu werden.

Leider ist dieser Entschluss zwar schnell gefasst – doch wenn es dann mal hart auf hart kommt, fällst Du in die Negativschlaufe zurück.

Plötzlich sind die altbekannten Gedanken wieder da, so à la „das klappt ja eh nicht“ oder „ich kann das einfach nicht und sollte es lieber lassen“.

Denn das Problem ist: Negativität ist wahrscheinlich bereits zu Deiner Gewohnheit geworden. Negative Überzeugungen haben sich so tief in Dir eingebrannt, dass sie mit einem einfachen „ich höre jetzt auf damit“ natürlich nicht alle weggewischt oder magisch aufgelöst sind.

Was Du brauchst, sind Übungen, mit denen Du Deinen Optimismus-Muskel gezielt trainieren kannst.

Und sieben davon zeige ich Dir jetzt.

7 Praxistipps, wie Du optimistischer wirst

Ich unterteile diese Übungen besser in zwei Kategorien: Die erste ist für katastrophenfreie Zeiten. Diese friedlichen Zeiten solltest Du effektiv nutzen, um eine optimistische Denkweise zu Deiner Gewohnheit werden zu lassen. Denn darum geht es hier: pessimistische Platte aus, optimistische an!

Wie wir wissen ist nach der Katastrophe vor der Katastrophe (Achtung, Pessimismus-Alarm!). Die letzten Tipps sind daher für die Momente, wenn die Kacke doch einmal (mehr oder weniger stark) am Dampfen ist.

So bist Du für alles vorbereitet.

Bereit? Los geht’s!

Wenn alles tutti ist

1.     Focus on the GOOD: Sei dankbar

Egal, welche Dinge zurzeit noch nicht ganz rund in Deinem Leben laufen: Mach Dir regelmäßig bewusst, was Du schon alles erreicht hast und wofür Du dankbar in Deinem Leben bist. Man könnte sagen: Schmeiß regelmäßig Konfetti!

Das kannst Du zum Beispiel ganz einfach mit einem Dankbarkeitstagebuch.

Übung: Dankbarkeitstagebuch

  • Lege Dir auf Deinen Nachtschrank ein kleines Notizbüchlein und einen Stift.
  • Nachdem Du aufwachst und bevor Du einschläfst, notierst Du Dir drei (oder mehr) Dinge, für die Du in diesem Moment gerade dankbar bist.
  • Notiere, was Dir einfällt. Das können auch Kleinigkeiten sein, wie, dass die Sonnenstrahlen durch die Rollladen scheinen oder Dir jemand am Nachmittag in der Bahn ein Kompliment gemacht hat. Alles ist erlaubt!

2.     Programmiere Dein Unterbewusstsein neu: Affirmationen

Meist erzählen wir uns unbewusst immer wieder dieselben „Trauergeschichten“ im Kopf. Negative Glaubenssätze, die wir schon in der Kindheit durch unsere Eltern oder das Umfeld aufgenommen haben, werden automatisch immer wieder im Hintergrund abgespielt.

Das sind Dinge wie „Ich bin nicht gut genug, um erfolgreich zu sein“ oder „Mir wird eh niemand helfen wollen“ usw.

Wie wäre es ab heute mal mit ein paar neuen optimistischen Sätzen, die Du Dir immer wiederholst? Gerade in Zeiten, in denen alles super läuft, ist es leichter, diese positiven Affirmationen in Dein Denken einzupflanzen.

Übung: Nimm Dir Deine eigene Optimismus-Platte auf!

  • Überlege Dir selbst oder recherchiere ein paar optimistische Sätze und inspirierende Zitate. Das Internet ist voll davon – achte aber darauf, dass die Sätze tief mit Dir harmonieren. Sie sollten mit ihren Wörtern etwas aussagen, das Du gerne glauben möchtest (es müssen also nicht die klischeehaftesten sein, die Dir schon zum Hals raushängen).
  • Schreib diese Worte auf Post-Its und hänge sie Dir überall in die Wohnung, an den Computer bei der Arbeit, an den Badezimmerspiegel – so wirst Du überall an sie erinnert!
  • Sprich Dir die Affirmationen auf Dein Handy und höre sie zum Beispiel in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit.

Ich verspreche Dir, nach einer Weile nimmst Du diese positiven Sätze automatisch in Dein Denken auf – genau wie Du damals die pessimistischen unbewusst aufgenommen hast.

Klar, zunächst fühlt es sich vielleicht noch etwas ‚unnatürlich‘ an (, weil Du ja sonst immer eine andere Platte aufgelegt hattest), aber Stück für Stück wird es sich natürlicher anfühlen und Teil Deines ‚normalen‘ Denkens werden.

Du programmierst Dein Hirn quasi neu!

3.     Werde zum Beobachter Deiner Gedanken: Meditiere

Bedeutet Meditation, dass Du lernst, keine Gedanken mehr zu haben? Nein, ganz und gar nicht.

Hast Du schonmal versucht, nicht an die blaue Giraffe zu denken?

Vielmehr trainiert Meditation Deine neutrale Beobachtungsgabe im Inneren. Durch sie baust Du nötige Distanz zu Deinen Gedanken auf – und bist so in der Lage zu entscheiden, ob Du ihnen nachgehen oder sie wie Wolken vorbeiziehen lassen möchtest.

Übung: Meditation Geräusche und Gedanken ziehen lassen

  • Setze Dich für die Meditation an einen Ort, wo Du zumindest 15 Minuten ungestört sein kannst.
  • Finde eine Sitzhaltung, in der Du Dich wohlfühlst und trotzdem aufmerksam bleibst.
  • Schließe Deine Augen und atme ein paar Mal bewusst tief ein und aus.
  • Richte dann Deine Aufmerksamkeit auf die Geräusche um Dich herum. Was kannst Du hören?
  • Nimm die Geräusche wahr, ohne sie zu bewerten, ohne sie in gut oder schlecht, störend oder angenehm einzuteilen. Bemerke, wie sie kommen und gehen, manche bleiben länger, andere kürzer.
  • Richte nach ca. 5 Minuten Deine Aufmerksamkeit nach Innen und „höre“ genauso gespannt Deinen Gedanken zu. Werde zum Zeugen, wie sie scheinbar aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwinden.
  • Bemerke, wie manche stärker um Deine Aufmerksamkeit buhlen als andere, indem sie Gefühle auslösen. Bleibe jedoch der unbeeindruckte Beobachter und lasse sie ziehen wie vorbeifahrende Autos auf der Schnellstraße.
  • Spüre am Ende der Meditation Deinen weiten Raum „hinter“ den Gedanken und atme ein paar Mal dort hinein, bevor Du die Meditation beendest und Deine Augen wieder öffnest.

4.     LÄCHELN und winken

Selbst wenn Du optimistischer bist, heißt das natürlich nicht, dass Du nie wieder einen negativen Gedanken haben wirst. Das ist unmöglich und seien wir mal ehrlich: Es wäre auch total anstrengend, Negativität komplett unterbinden zu wollen.

Wir alle haben mal einen schlechten Tag, an dem wir scheinbar unter einer dunklen Wolke laufen, die fies grinsend auf uns herabregnet.

Was hilft, ist aber diese Gedanken nicht mehr so ernst zu nehmen. Anstatt sie gleich 100% zu glauben und Dich runterziehen zu lassen, lächle doch einfach mal, wenn sie Dir bewusstwerden.

Besonders mithilfe von Meditation wird Dir diese Distanz leichter fallen.

Nach einer Weile fällt Dir vielleicht auf, dass Du manche negativen Gedanken immer wieder hast.

Gerade pessimistische Gedanken wiederholen sich oft in Dauerschleife in unserem Kopf, wie bei einem Sprung in der Platte.

Doch das ist etwas Gutes! Denn es erleichtert es Dir, pessimistische Gedanken zu erkennen und sie weniger ernst zu nehmen.

Einfach nett lächeln und winken, bis sie wieder gehen.

5.     Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Oft sind wir besonders negativ, weil wir nicht sofort den „Grund“ hinter einer problematischen Situation festmachen können. Ich kenne das nur zu gut: Manchmal möchte ich einfach jetzt sofort verstehen, warum etwas so lief, wie es gelaufen ist!

Doch so funktioniert das Leben nun einmal nicht. Wir können nicht alles „durchschauen“ oder kontrollieren.

Übe Dich also darin, eine Situation nicht immer gleich bewerten zu wollen – ob Deine Bewertung nun positiv oder negativ ist. Lass die Tatsachen einfach mal sein, wie sie sind.

Deine Bewertungen sind sowieso immer subjektiv und daher nur eine eingeschränkte Sichtweise.

Optimismus to-go, wenn die Scheiße schon passiert ist

6.     SCHREIB alles raus

Wenn Du vor einer Herausforderung stehst und Dir Deine negative Gedankenschlaufe bewusstwird, dränge sie nicht sofort weg, weil Du ja eigentlich optimistischer werden willst.

Lass sie erstmal ganz da sein und am besten: Lass sie wirklich zu Wort kommen.

Wie Du das machst?

Nimm Dir 2-3 Blätter Papier und schreib alles raus, was Dir gerade durch den Kopf geht zu Deinem Problem. Sei mal so richtig negativ, ohne Dich gleich dafür zu verurteilen oder Deine Gedanken in die andere Richtung lenken zu wollen.

Du machst für eine Weile Platz für Negativität und Pessimismus – und schießt so gleichzeitig alle Gefühle mit raus, die Dich schwer machen.

Was bewirken diese pessimistischen Gedanken in Dir? Wie fühlst Du Dich? Was sagt Dein Körper dazu?

Schreib alles auf und befreie Dich gleichzeitig davon!

Wie geht es Dir danach? Fühlst Du Dich leichter und irgendwie befreit?

Definitiv! Denn Du konntest die Schwere in Dir auf dem Papier zurücklassen.

Jetzt hast Du Platz geschaffen, um ein paar optimistische Gedanken zu fassen.

7.     RAUS aus Deinem Kopf

Du steckst gerade in einer schwierigen Situation, in der Du lieber optimistischer sein möchtest als Du es gerade bist?

Anstatt innerlich mit Deiner Negativität zu kämpfen und sie wegdrücken zu wollen:

Lass einfach mal los. Beiße Dich nicht daran fest, dass Du „ja immer noch nicht optimistischer geworden bist“. Damit machst Du Dich nur unnötig fertig und kommst keinen Schritt weiter.

Entferne Dich stattdessen (wenn möglich) von Deiner problematischen Situation.

Geh zum Beispiel raus in die Natur, mach eine Weile (schweißtreibenden) Sport oder verabrede Dich mit einem guten Freund, mit dem Du gleich zu Anfang beschließt, nicht über DAS Problem zu sprechen (weder positiv noch negativ).

Ihr sprecht einfach über ganz andere Dinge oder genießt mal schweigend euer Mittagessen.

Ich verspreche Dir, Du wirst nach einer Weile bemerken: Die Situation verliert an Schwere und Du kannst viel befreiter über Lösungen nachdenken – ja, Lösungen! Und schon ist er da, Dein Optimismus. Ohne Kampf und ohne Stress kommt er zu Dir.

Nieder mit dem Pessimismus?

So, ich hoffe, dass Du in diesen Tipps und Übungen hilfreiche Impulse für Dich finden konntest und nun Feuer und Flamme bist, Deinen Optimismus-Muskel zu trainieren.

Auch wenn es ein super Vorsatz ist, möchte ich aber, dass Du eins nicht vergisst:

Es geht jetzt nicht darum, jeglichen negativen, pessimistischen Gedanken den „Kampf“ anzusagen.

Auch sie haben ihren Platz und Ursprung. So machen sie zum Beispiel auf tiefsitzende Ängste oder Glaubenssätze aufmerksam, die Du nicht einfach so wegdrücken kannst oder solltest. Denn indem Du sie ignorierst (oder noch schlimmer bekriegst), sind diese inneren Blockaden sicher nicht in Luft aufgelöst.

Es geht nicht darum, dass Du Dir eine künstliche positive Sichtweise antrainierst, die Dich Deine Grenzen überschreiten und Dich selbst überschätzen lässt.

Deshalb ist der allererste Schritt, um optimistischer zu werden, immer: Mach Dir Deine pessimistischen Gedanken bewusst. Und zwar ohne Wertung und ohne sie gleich magisch verschwinden lassen zu wollen.

Bei Deinem Optimismus-Training solltest Du eher zum Ziel haben, selbst in Krisensituationen kühlen Kopf zu bewahren und mit der Situation, so wie Du sie vorfindest, umzugehen.

Und ja: das, ohne gleich gedanklich in Endzeitstories zu verfallen.